Selfpublishing für Anfänger: Was brauche ich für mein erstes Buch?
Die kurze Antwort auf diese Frage lautet: Einfache Programme. Aber schon diese kurze Antwort beinhaltet tausend Fragen. Um zukünftigen Autoren einen "einfachen" Einstieg zu ermöglichen, will ich hier einen groben Überblick formulieren.
Welches Schreibprogramm?
Ich habe in Foren ständig die Frage gelesen, welches Schreibprogramm angebracht wäre. Natürlich ist dies eine wichtige Frage, da ein Schreibprogramm das entscheidende Werkzeug eines Autors ist. Für mich persönlich war dies immer eine unwichtige Frage. Wenn es sein muss, schreibe ich meinen Text auf einen Bierdeckel. Aber dies wäre eine zu einfache Betrachtung. Der Text muss sinnvoll gegliedert und formatiert werden. Exportfunktionen nach PDF müssen vielleicht spezielle Anforderungen erfüllen. Notwendige Formatvorlagen sind für ein spezielles Schreibprogramm vorbereitet. Und letztlich: Das Geld. Soll ich teure Lizenzen kaufen?
Im Wesentlichen entscheiden sich in einer solchen Diskussion viele Autoren zwischen dem kommerziellen Microsoft Word oder und dem frei verfügbaren LibreOffice. Beide sind allgemein bekannte Schreibprogramme, die gute Dokumentationen haben. Und diese Dokumentationen sind nicht zu verachten. Wie ich auch selbst am lebenden Objekt, sprich: an einem neuen Text, erfahren musste, wird man automatisch mit Fragen konfrontiert, die niemand im Vorfeld im Blick hat.
Auch wenn es interessant sein und den Habitus eines exzentrischen Autors unterstreichen kann, sich für ein exotisches Programm zu entscheiden, muss man dann vielleicht bei spezifischen Fragestellungen sehr viel Zeit für eine Lösung investieren. Daher würde ich, zumindest beim ersten Buchprojekt, von dem ausgehen, was gerade verfügbar ist. Für mich war es naheliegend, Microsoft Word zu benutzen, und bin dabei geblieben. Amazon/KDP bietet z.B. Word-Vorlagen an, die bereits passend für KDP formatiert sind.
Bildbearbeitung: Vorhandenes zuerst nutzen
Dasselbe trifft natürlich auch auf die Bildbearbeitung zu. Auch wenn kein Fotoband geplant ist, so will der Autor vielleicht ein Autorenfoto einfügen oder ein besonderes Bild als Coverbild benutzen. Auch da gilt: Schaue, was Du schon auf deinem Rechner hast. Man muss nicht extra Hunderte von Euro für ein Superduper-Fotoprogramm ausgeben, nur weil man ein Bild zurechtschneiden muss oder den Kontrast anheben will. Die Einarbeitung in ein solches Programm frisst auch wieder Zeit, die besser in ein gründliches Korrekturlesen investiert ist.
Worauf es bei der PDF-Datei ankommt
Besonderes Augenmerk würde ich auf die erzeugte PDF-Datei legen. Entscheidend ist weniger das Programm als das Ergebnis: Stimmen Buchformat, Seitenränder, eingebettete Schriften und Bildqualität? Der Hintergrund ist, dass der Export des Textes ins PDF-Format eine grundlegende Arbeit ist, die entscheidend für die Druckqualität sein kann. Hier hatte ich mich für Adobe Acrobat Standard entschieden. Aber MS Word oder LibreOffice haben auch eine PDF-Exportfunktion, die vielleicht schon vollkommen ausreichend ist. Alternativ gibt es auch viele Freeware-Programme, Online-Konverter oder andere Alternativen im PDF-Markt. Grundsätzlich ist aber zu beachten, dass einige Selfpublishing-Dienste die Datei auch in anderen Formaten zum Beispiel DOCX, annehmen. Auch hier gilt: Lieber alles einfach halten, als unnötig Zeit zu verlieren, die beim Korrekturlesen besser investiert wäre.
Das Buchcover gestalten
Die aufwendigste Arbeit an einem Buchprojekt - vom Schreiben natürlich abgesehen - ist eigentlich die Buchcovergestaltung. Dazu gibt es zwar auch kostenlose fertige Covervorlagen im Web. Aber mal ehrlich: Wenn man schon einen kreativen Text geschrieben hat, will man auch ein kreatives Cover und keine schreiende Cover-Vorlagen mit hässlichen oder unpassenden Schriften. Auch dazu würde ich eher empfehlen, etwas Geld zu investieren.
Ich hatte mich für Affinity Publisher 2 entschieden. Es ist preislich vertretbar, bietet eine gute Vorlagenverwaltung für weitere Buchprojekte oder für mehrere Publishing-Dienste. Es ist relativ einfach zu benutzen und gut dokumentiert. Alle meine Bücher sind mit diesem Programm gestaltet worden.
Schrift- und Bildlizenzen beachten
Jetzt komme ich noch zu Themen, an die kein Autor als erstes denkt: Schrift- und Bildlizenzen. Bitte was? Genau, Lizenzen für die Schrift eines Buches. Nicht jede Schrift darf ohne Weiteres kommerziell verwendet oder in eine PDF-Datei eingebettet werden. Deshalb sollte man vor der Veröffentlichung die jeweilige Schriftlizenz prüfen. Ich habe mich bei meinen Büchern für die Schrift Brygada 1918 entschieden und dies im Impressum dokumentiert. Sie kommt der Schrift Times New Roman sehr nahe, ist lesefreundlich und steht unter einer offenen Lizenz. Es gibt Hunderte von freien Schriften, die aber dann - je nach Betriebssystem - nachinstalliert werden müssen.
Und etwas Ähnliches ist auch bei der Nutzung von Bildern zu beachten. Am unkompliziertesten sind meistens eigene Bilder, sofern darauf keine Rechte anderer Personen betroffen sind. Fotoapparat nehmen und rumknipsen und schon hat man bestimmt ein Bild, das einen Aha-Effekt beim Betrachten auslöst und zum Thema des Buches passt. Also lizenzfreie Bilder selbst erstellen. Wer sich nicht zu einem Helmut Newton berufen fühlt, hat die Möglichkeit, im Internet Galerien zu finden, die Bilder unter freien Lizenzen anbieten.
Einfach anfangen und das Handwerk lernen
Zusammenfassend kann man sagen: Mach es erstmal einfach, spare Geld oder setze es nur da ein, wo es für Dich einen effektiven Mehrwert für Dein Buchprojekt ergibt. Beachte, ob Dokumentationen verfügbar sind und welche Anforderungen Druckereien an die Exportdatei stellen. Lizenzen sind kein Spaßthema. Nimm es ernst. Letztlich: Lass Dich nicht frusten! Du wirst manchmal am Rad drehen, aber Du wirst sehen: Danach hast Du was gelernt, was Dein Projekt wirklich voranbringt. Wir reden hier auch von einem Handwerk. Und das Handwerk muss man lernen. Dabei kann auch eine gute KI helfen – nicht beim Schreiben, aber beim Feinschliff.
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