Selfpublishing für Anfänger: MS Word oder LibreOffice?
Bei der Auswahl eines Schreibprogramms für Deine Texte im Selfpublishing würde ich kein Theater machen. Microsoft Word ist genauso gut wie LibreOffice. Ein weißes Blatt, die Formate, Seitenränder und die Schriftart einrichten – und fertig. Letztlich gibt es eigentlich nur wenige Punkte, die für die Entscheidung relevant wären.
Zum einen ist es natürlich die Lizenz. Word verlangt für die volle Funktionalität eine Lizenz, und diese kostet Geld. LibreOffice ist dagegen kostenlos und erfordert keinen Lizenzkauf. Das muss jeder für sich entscheiden. Beide Programme haben eine sehr gute Dokumentation. Auftretende Fragen sind über Suchmaschinen, KI oder einschlägige Foren schnell zu lösen.
Ansonsten sind es Details, in denen sich die Programme unterscheiden. Ein Beispiel ist der PDF-Export. In vielen Fällen, zum Beispiel für KDP oder BoD, gibt es Vorgaben, nach denen ein PDF generiert werden soll. Wenn Du dafür den PDF-Export des Schreibprogramms nutzen willst, schau Dir genau an, ob er die Anforderungen erfüllt.
LibreOffice bettet beim PDF-Export die verwendeten Schriften automatisch ein. Word macht es genauso. Ob alle verwendeten Schriften tatsächlich eingebettet wurden, sollte anschließend in den Eigenschaften der PDF-Datei geprüft werden.
Natürlich kann auch der PDF-Drucker eines ausgereiften PDF-Programms genutzt werden. Das ist in diesem Artikel aber nicht das Thema. Wir reden hier nur über die Funktionen der Schreibprogramme.
Solltest Du eine Funktion wie „Schriftarten in das Dokument einbetten“ finden, bedeutet das nur, dass die Schrift in das ODT- oder DOCX-Dokument eingebettet wird. Das ist sinnvoll, wenn man das Dokument auf verschiedenen Rechnern bearbeiten will, die gewünschte Schrift aber nicht auf allen Rechnern installiert ist. Das Ergebnis des PDF-Exports sollte vor der Abgabe an die Druckerei über die Dokumenteigenschaften eines PDF-Editors geprüft werden.
Was mich zum Beispiel immer nervt, ist die eingeblendete Menüleiste. Ich blende sie beim Schreiben aus, weil ich nur das weiße Blatt sehen will. Keine Ablenkung beim Schreiben. In Word gibt es dazu an der Menüleiste einen Schalter. In LibreOffice lassen sich über „Ansicht → Symbolleisten“ die einzelnen Leisten ausblenden. Alternativ kann man mit der Tastenkombination „Strg + Umschalt + J“ in den Vollbildmodus wechseln.
Das Wichtigste ist wohl die Formatierung der Seite. In Word findet man diesen Punkt in der Menüleiste unter „Layout → Seite einrichten“. Dort findest Du alle Einstellungen für eine brauchbare Formatierung. In LibreOffice ist es an ähnlicher Stelle: „Format → Seitenvorlage → Seite“.
Vielleicht schreiben manche Autoren lieber im Standardformat DIN A4. Ich stelle gerne von Anfang an das Taschenbuchformat von KDP ein: 12,7 × 20,32 cm. So kann ich unten in der Statusleiste besser abschätzen, wie ich mich in meinem Text bewege: drei Taschenbuchseiten für diese Szene, sechs für eine andere Szene.
Ein Thema, das heute nicht mehr wegzudenken ist, betrifft die Cloud-Anbindung. Viele Autoren werden ihre Dokumente sicherlich auch in der Cloud speichern, weil sie einem Totalausfall des heimischen Rechners vorbeugen wollen. In LibreOffice gibt es unter „Datei → Vom Server öffnen“ eine Funktion, über die sich zum Beispiel Google Drive oder WebDAV einbinden lassen. Unter Linux ist abhängig vom System auch eine Verbindung über SSH möglich.
In Word wird standardmäßig nur OneDrive als Onlinespeicherdienst angeboten. Unter „Datei → Konto → Dienst hinzufügen“ gibt es zwar eine entsprechende Funktion, bei mir wird dort aber ebenfalls nur OneDrive angeboten. Unter „Speichern unter“ erscheinen natürlich auch alle Online-Laufwerke, die im Windows-Explorer zu finden sind. Ob die Synchronisierung des Dokuments damit störungsfrei funktioniert, zeigt letztlich nur ein Test.
Damit will ich auch zum Ende kommen: Welches Programm man bevorzugt, ist absolute Geschmackssache. Es gibt kein grundsätzliches Gut oder Schlecht. Prüfe, welches Handling Dir näherliegt und ob Du Geld für eine Lizenz ausgeben willst. Am Ende zählt ohnehin nur der Text – und dem sieht man nicht an, mit welchem Programm er geschrieben wurde.
Also viel Erfolg bei Deinen Schreibprojekten.




